Gesund grillen: Schadstoffe clever vermeiden


Gesund grillen heißt nicht Verzicht, sondern kluge Technik. Bei großer Hitze und tropfendem Fett entstehen Stoffe wie HAA, PAK und Acrylamid, die Fachbehörden als unerwünscht einstufen. Die gute Nachricht: Mit einer Kräutermarinade, der richtigen Fleisch- und Gemüsewahl und ein paar Handgriffen am Grill lässt sich ihre Bildung deutlich verringern. Diese Checkliste zeigt, worauf es wirklich ankommt.
Rund ums Grillen kursieren viele Warnungen und noch mehr Halbwissen. Fest steht: Nicht das Grillen an sich ist das Problem, sondern die Kombination aus sehr hoher Hitze, offener Flamme und tropfendem Fett. Genau dort entstehen die Stoffe, die man gering halten möchte. Wer die Mechanik dahinter versteht, kann sie mit einfachen Mitteln umgehen – ganz ohne den Genuss zu opfern.
Drei Namen tauchen immer wieder auf. Sie stehen für Stoffgruppen, die auf verschiedenen Wegen entstehen – und sich deshalb mit unterschiedlichen Handgriffen klein halten lassen.
Beim Grillen bilden sich vor allem drei Stoffgruppen: heterozyklische aromatische Amine (HAA) aus stark erhitztem Fleisch und Fisch, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) aus dem Rauch von tropfendem Fett und Acrylamid in stärkehaltigen, zu dunkel gegrillten pflanzlichen Lebensmitteln. Alle drei gelten als unerwünscht.
HAA entstehen, wenn Eiweiß bei Temperaturen über etwa 150 Grad reagiert – je länger und heißer, desto mehr. PAK stammen aus dem Qualm: Tropft Fett in die Glut, steigt Rauch auf und legt sich auf das Grillgut. Acrylamid bildet sich dagegen in stärkereichen Lebensmitteln wie Brot oder Kartoffeln, wenn sie zu stark bräunen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft mehrere dieser Stoffe als erbgutschädigend ein und empfiehlt, die Aufnahme gering zu halten.
| Stoff | Wo er entsteht | So hältst du ihn gering |
|---|---|---|
| HAA | Stark erhitztes Fleisch und Fisch, hohe Temperaturen | Marinieren, mittlere Hitze, kleinere Stücke |
| PAK | Rauch von tropfendem Fett in der Glut | Fett abfangen, Aluschale, indirekt grillen |
| Acrylamid | Stärkehaltige Pflanzenkost, zu dunkel gebräunt | Goldgelb statt braun, nicht verkohlen |
| Nitrosamine | Gepökeltes Fleisch bei großer Hitze | Gepökeltes nicht grillen, ungepökelt wählen |
Tendenziell ja, aber es liegt weniger an der Kohle selbst als am tropfenden Fett. Bei Holzkohle fällt Fett in die Glut, es qualmt, und dabei entstehen PAK. Gas- und Elektrogrills gelten als schadstoffärmer, weil sie seltener aufflammen und keinen Kohlerauch erzeugen.
Entscheidend ist also, wie du grillst, nicht nur womit. Auch auf dem Holzkohlegrill lässt sich der Rauch reduzieren: mit einer Aluschale, die das Fett auffängt, oder indem du indirekt grillst. Die hitzebedingten HAA entstehen dagegen bei jedem Gerät – hier hilft vor allem, nicht zu heiß und nicht zu lange zu grillen.
Eine Aluschale unter dem Grillgut oder indirektes Grillen verhindert, dass Fett in die Glut tropft. Das ist der wirksamste Handgriff gegen qualmenden Rauch und die darin enthaltenen PAK.
Eine Marinade legt sich wie eine Schutzschicht ums Grillgut und bremst die Bildung von HAA. In Untersuchungen senkte vor allem eine Marinade mit Kräutern und Gewürzen wie Rosmarin, Thymian oder Knoblauch die Menge dieser Stoffe deutlich – teils um mehr als die Hälfte.
Verantwortlich sind vermutlich die Antioxidantien in den Kräutern, die die chemischen Reaktionen an der Fleischoberfläche ausbremsen. Eine dünne Ölschicht und ein Schuss Säure wie Zitrone oder Essig unterstützen den Effekt. Wichtig: überschüssige, tropfende Marinade vorher abstreifen, sonst landet sie in der Glut und sorgt für zusätzlichen Rauch. Ein bis zwei Stunden Einwirkzeit im Kühlschrank reichen meist aus.
Am besten eignen sich magere, nicht zu dicke Stücke, die schnell gar werden: Geflügel, mageres Rind, Fisch oder Meeresfrüchte. Je weniger Fett ins Feuer tropft und je kürzer die Garzeit, desto weniger Rauch und Röststoffe entstehen.
Dicke, sehr fette Stücke brauchen lange und tropfen stark – beides erhöht die Schadstoffbildung. Kleinere Portionen und Gemüsespieße verkürzen die Zeit auf dem Rost. Und ein einfacher Grundsatz gilt immer: lieber goldbraun als schwarz.
Gepökeltes Fleisch enthält Nitritpökelsalz, und bei großer Hitze können daraus sogenannte Nitrosamine entstehen – Stoffe, die als besonders bedenklich gelten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät deshalb ausdrücklich davon ab, Kassler, Wiener, Debreziner oder rohe Bratwurst mit Pökelsalz zu grillen.
Woran erkennt man Gepökeltes? Es ist typischerweise rötlich und bleibt auch nach dem Garen rosa. Wer sichergehen will, greift zu unpökelt hergestellten Bratwürsten und Steaks – ein Blick auf die Zutatenliste hilft. Für den Grill sind frische, ungepökelte Alternativen die klar bessere Wahl.
Gepökelte Produkte wie Kassler, Leberkäse oder viele Wiener sind zum Grillen ungeeignet. Erhitze sie stattdessen schonend in der Pfanne oder im Ofen – und wähle für den Grill ungepökelte Würste.
Gemüse ist ideal für den Grill, weil es kaum HAA oder PAK bildet. Bestreiche Paprika, Zucchini, Champignons oder Maiskolben mit etwas Öl, damit sie nicht austrocknen, und grille sie bei mittlerer Hitze goldbraun statt schwarz. So bleiben Aroma und Nährstoffe erhalten.
Ein Punkt lohnt Aufmerksamkeit: In stärkereichen pflanzlichen Lebensmitteln – etwa Kartoffeln, Brot oder manchen Fleischalternativen – kann bei zu starker Bräunung Acrylamid entstehen. Auch hier gilt die Faustregel goldgelb, nicht dunkelbraun. Grillkäse, Tofu oder Gemüsespieße gelingen am besten in einer Schale oder auf Alufolie, damit nichts durchfällt und verkohlt.
Leichte Beilagen machen das Grillen ausgewogen: bunte Blattsalate, gegrilltes Gemüse, Vollkornbrot und Dips auf Basis von Joghurt oder Hülsenfrüchten statt schwerer Mayonnaise. Sie liefern Ballaststoffe, sättigen gut und bringen Farbe auf den Teller.
Ein Trick für mehr Leichtigkeit: die Hälfte des Tellers mit Gemüse und Salat füllen und Fleisch eher als Beilage denken. So wird aus dem Grillabend eine rundum ausgewogene Mahlzeit.
Das Wichtigste zusammengefasst – acht Handgriffe, die den Unterschied machen und sich ganz nebenbei umsetzen lassen:
Niemand muss alles auf einmal umsetzen. Schon zwei, drei dieser Punkte senken die Schadstoffbildung spürbar und machen den Grillabend entspannter.
Beim Grillen bilden sich vor allem heterozyklische aromatische Amine (HAA), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Acrylamid. HAA stammen aus stark erhitztem Fleisch und Fisch, PAK aus dem Rauch von tropfendem Fett und Acrylamid aus zu dunkel gegrillten, stärkehaltigen pflanzlichen Lebensmitteln. Fachbehörden wie die EFSA stufen mehrere dieser Stoffe als unerwünscht ein. Mit einigen einfachen Handgriffen – marinieren, Fett abfangen, nicht zu heiß grillen – lässt sich ihre Bildung deutlich verringern.
Tendenziell entstehen beim Holzkohlegrill mehr Schadstoffe, das liegt aber vor allem am tropfenden Fett. Fällt Fett in die Glut, steigt Rauch auf, und darin stecken PAK, die sich aufs Grillgut legen. Gas- und Elektrogrills gelten als schadstoffärmer, weil sie seltener aufflammen und keinen Kohlerauch erzeugen. Entscheidend ist jedoch die Technik: Wer auch beim Holzkohlegrill eine Aluschale nutzt oder indirekt grillt, reduziert den Rauch deutlich. Die hitzebedingten HAA entstehen bei jedem Gerät.
Eine Marinade bildet eine Schutzschicht, die die Bildung von HAA an der Fleischoberfläche bremst. Besonders wirksam sind Marinaden mit Kräutern und Gewürzen wie Rosmarin, Thymian, Salbei oder Knoblauch – in Untersuchungen senkten sie die Menge dieser Stoffe deutlich, teils um mehr als die Hälfte. Verantwortlich sind vermutlich die enthaltenen Antioxidantien. Streiche überschüssige Marinade vor dem Grillen ab, damit sie nicht in die Glut tropft und für zusätzlichen Rauch sorgt.
Gepökelte Produkte wie Kassler, Wiener oder Debreziner enthalten Nitritpökelsalz. Bei großer Hitze können daraus Nitrosamine entstehen, die als besonders bedenklich gelten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät deshalb davon ab, gepökeltes Fleisch zu grillen. Erkennbar ist es an der rötlichen Farbe, die auch nach dem Garen erhalten bleibt. Für den Grill sind ungepökelte Bratwürste, Steaks oder Geflügel die bessere Wahl – ein Blick auf die Zutatenliste schafft Klarheit.
Ja, verkohlte und schwarz verbrannte Stellen solltest du großzügig abschneiden und nicht mitessen. Genau in diesen dunklen Krusten sammeln sich die höchsten Mengen an Röststoffen und PAK an. Das gilt für Fleisch und Fisch ebenso wie für stark gebräuntes Brot oder Gemüse. Besser ist es, von vornherein bei mittlerer Hitze goldbraun statt schwarz zu grillen. Fällt doch einmal etwas zu dunkel aus, lässt sich die verkohlte Schicht einfach entfernen.
Leichte Beilagen bringen Balance auf den Grillteller: bunte Blattsalate, gegrilltes Gemüse, Vollkornbrot und Dips auf Joghurt- oder Hülsenfrüchtebasis statt schwerer Mayonnaise. Sie liefern Ballaststoffe, sättigen gut und bringen Farbe und Frische ins Menü. Ein einfacher Grundsatz hilft: die Hälfte des Tellers mit Gemüse und Salat füllen. So wird aus Würstchen und Steak eine ausgewogene Mahlzeit, ohne dass der Genuss zu kurz kommt.
Dieser Beitrag bietet allgemeine, redaktionelle Information und ersetzt keine individuelle Ernährungs- oder ärztliche Beratung. Bei Erkrankungen, Beschwerden oder besonderen Bedürfnissen wende dich bitte an eine Fachperson.